Norbert Deiters in Memoriam

von Sverrir Schopka

Die Gesellschaft der Freunde Islands trauert um ihren Vorsitzenden, Norbert Deiters, der am 24. März 2021 nach schwerer Krankheit gestorben ist. Mit ihm verliert der Verein einen überaus tatkräftigen und humorvollen Menschen, dessen Herzensanliegen die Förderung der Zusammenarbeit von Deutschen und Isländern war. Norbert Deiters lernte ich im November 1998 kennen auf dem traditionellen Herbstspaziergang durch den Sachsenwald auf Einladung von Herrn Oswald Dreyer-Eimbcke und seiner Frau Erika mit anschließendem Grünkohlessen im Restaurant „Alte Schule“ in Siek. Norbert Deiters war nicht zu übersehen, erstens allein durch seine Größe und dann durch seine humorvollen Ausführungen in seiner Dankesrede am Ende des Tages.

Norbert Deiters

Norbert wurde am 18. März 1948 in Buxtehude, Niedersachsen, geboren. Nach Wehrdienst und kaufmännischer Ausbildung übte er diesen Beruf die nächsten Jahre aus. Berufsbegleitend studierte er Betriebswirtschaft und Management. Im Jahr 1986 gründete er die Nahrungsmittelfirma Deiters & Florin in Hamburg-Bergedorf mit seinem Freund Ulrich Florin. Die Firma ist heute marktführendes Unternehmen in den Produktfeldern Sprossen und Keime sowie fernöstliche Gemüseprodukte mit 60 Mitarbeitern und einigen Auszubildenden. 1968 heiratete er Erika geb. Bendixen. Ihre Töchter sind Wencke mit Sohn Gabriel und Anja mit Tochter Anna Lena. In Bergedorf war er der große Kapitän der Bergedorfer Wirtschaft und führte den Wirtschaftsverband WSB („Wirtschaft und Stadtmarketing für die Region Bergedorf“) 2000 bis 2007 durch turbulente Jahre. Bei der Handelskammer Hamburg leitete er bis vor wenigen Monaten den Arbeitskreis Bergedorf. Seit 1992 war er Mitglied des Rotary Club Bergedorf und dessen Präsident 2004-05. Norbert und Erika unterstützten viele, die in Nöten waren.

2005 wurde Norbert zum Honorarkonsul Islands für Hamburg und Schleswig-Holstein als Nachfolger von Oswald Dreyer-Eimbcke ernannt. Die Übergabe fand am 12. September 2005 in der Kunsthalle Hamburg statt. Gekommen waren 120 Gäste. Der isländische Botschafter in Berlin, S.E. Ólafur Davíðsson, würdigte die Tätigkeit von Oswald Dreyer-Eimbcke, der nach 32 Jahren das Amt in jüngere Hände gab. Norbert Deiters war sich bewusst, in welche großen Fußstapfen er trat. Aber mit ihm bekam Island wieder einen würdigen Vertreter, der sich in seiner umtriebigen Art außerordentlich tatkräftig für die Belange des Landes einsetzte. 2008 wurde er als mein Nachfolger Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde Islands in Hamburg. Diese Aufgabe übernahm er mit Akribie. Er vertiefte die Beziehungen zum Literaturhaus Hamburg, damit turnusmäßig Autoren und Dichter aus Island zu Lesungen eingeladen wurden und auf weiteren Veranstaltungen in Deutschland auftreten konnten. Als Mitherausgeber der Zeitschrift ISLAND schrieb er Artikel und übernahm großzügig den Versand an die Vereinsmitglieder.

Norbert besuchte Island zum ersten Mal 1994 und war sofort begeistert von der Natur des Landes und den dort lebenden Menschen. Es folgten viele weitere Reisen. Im Herbst 2006 besuchten Mitglieder der Islandgesellschaften in Hamburg und Köln das Land und trafen die Mitglieder der Isländisch-Deutschen Gesellschaft Germania und schlossen gute Freundschaften. Hier war Norbert in seinem Element und sprudelte von witzigen Einfällen. Im Sommer 2018 nahm das Ehepaar mit uns an einer Reise teil, die über Sprengisandur nach Askja und zurück über Kjölur führte, und beide genossen die Reise sehr.

Norbert lag es am Herzen, Kunst und Kultur zu unterstützen. Viele Jahre war er einer der Förderer der Schöneberger Musiksommer. Er setzte sich engagiert für die Finanzierung des Denkmals am Hafen von Hafnarfjörður ein, das im Sommer 2003 von dem deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau und dem Präsidenten von Island, Ólafur Ragnar Grímsson, enthüllt wurde. Diese Skulptur hatte der Künstler Hartmut Wolf „Lupus“ geschaffen im Gedenken an die Kirche, die von den Hansekaufleuten 1533 dort erbaut worden war und bis zur Einführung des Handelsmonopols der Dänen 1602 gestanden hatte.

Norbert Deiters war fröhlich und geradlinig und hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitglieder. Wir werden unseren liebenswürdigen und engagierten Freund und Vorsitzenden sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Kinostart: Milchkrieg in Dalsmynni von Grímur Hákonarson

Inga, die Hauptperson, lebt mit ihrem Mann, dem Milchbauern Reynir, auf einem Hof im Nordwesten Islands. Nicht zufällig beginnt der Film mit der Geburt eines Kalbs – ein Zeichen von Neuanfang und Hoffnung. Inga leistet entschlossen Geburtshilfe und betrachtet liebevoll das neugeborene Kalb. Wir sehen gleich, Inga ist willensstark und leidenschaftlich. Gute Voraussetzungen, um nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes den verschuldeten Hof alleine weiter zu bewirtschaften, obwohl sie eigentlich von einem ganz anderen Leben träumt. Doch als sie entdeckt, dass die Verschuldung des Hofes auf dunkle Machenschaften in der lokalen Bauernkooperative – Kaupfélag Erpsfirðinga – zurückzuführen ist, die ihre Monopolstellung gnadenlos ausnutzt und durch Drohungen und Erpressung aufrecht erhält, nimmt sie mutig und kreativ den Kampf gegen die Mächtigen auf.

Vorbild ist die 1889 gegründete Bauernkooperative der Gemeinde Skagafjörður (Kaupfélag Skagfirðinga), die im letzten Jahr ihr 130-jähriges Bestehen feierte. Der Regisseur hat vor Ort recherchiert und zunächst dort einen Dokumentarfilm geplant. Doch es erwies sich als äußerst schwierig, jemanden vor die Kamera zu bekommen, kaum jemand wollte namentlich genannt werden. So entschied er sich für einen Spielfilm. Inspiriert zu seiner Hauptfigur Inga wurde er durch die von Steinnun Sigurðardóttir porträtierte Schafbäuerin Heiða und ihren Kampf gegen den Bau eines großen Staudamms auf ihrem Land. Wie Heiða ist auch Inga eine starke Frau, deren Kampf weit über die eigene Betroffenheit hinausgeht. Die Hauptdarstellerin Arndís Hrönn Egilsdóttir spielt die Figur der eigenwilligen, verletzlichen Inga überzeugend.

Wie schon im Film „Sture Böcke“ wird wenig gesprochen. Dafür sprechen die Bilder für sich. Die Kamera nimmt sich Zeit, das Geschehen auf den Gesichtern der handelnden Personen abzulesen. Ein ruhiger, trotzdem spannender und sehr isländischer Film, mit überraschendem Ende. Sehr empfehlenswert und großes Kinovergnügen.
Gezeigt wurde der Film auf dem Filmfestival in Toronto und beim Hamburger Filmfest 2019 (siehe unten).

Originaltitel: Heraðið / AT: The County
ISL, DK, F, D 2019 | 92 min | OMU
Regie und Drehbuch: Grímur Hákonarson
Besetzung: Arndís Hrönn Egilsdóttir, Hinrik Ólafsson, Sigurður Sigurjónsson, Hannes Óli Ágústsson
Produktion: Netop Films; One Two Films

Vorstellungen ab Donnerstag, den 9.1.2020 in Hamburg um 19:15 Uhr im Kino 3001 oder in Lüneburg um 19:00 Uhr im Scala Programmkino.

Isländische Filmproduktionen auf dem Filmfest Hamburg

A WHITE, WHITE DAY

 

A WHITE, WHITE DAY – HVÍTUR, HVÍTUR DAGUR

ISL, DK, S 2019 | 109 min | OF mit deutschen UT

An »weißen Tagen«, wenn die schneebedeckte Erde mit dem Himmel verschmilzt, treffen sich nach isländischem Aberglauben die Lebenden mit den Toten: Ein packendes Drama um einen Mann, der die Trauer um seine Frau bis zur Obsession steigert.
Ingimundur, ein ehemaliger Polizist, hat vor zwei Jahren seine Frau bei einem tragischen Unfall verloren. Der Tod lastet schwer auf ihm, mühsam versucht er, seinen Schmerz umzuleiten – in die Sorge um seine Enkelin und die Renovierung seines Hauses. Als er beim Stöbern in alten Sachen auf Hinweise trifft, die auf eine vermeintliche Affäre seiner Frau schließen lassen, erwacht in Ingimundur sein alter kriminalistischer Spürsinn – und verstrickt ihn in eine Recherche, die immer wahnhaftere Züge annimmt.

HLYNUR PÁLMASON (*1984) arbeitete erst als bildender Künstler, bevor er an der Filmhochschule in Kopenhagen ein Studium absolvierte. Sein Debüt Winter Brothers (2017) erhielt zahlreiche Preise. A White, White Day ist sein zweiter Film und feierte seine Premiere in diesem Jahr in Cannes in der Semaine de la Critique.

Regie und Drehbuch Hlynur Pálmason
Besetzung Ingvar Sigurðsson, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Hilmir Snær Guðnason, Björn Ingi Hilmarsso, Elma Stefanía Ágústsdóttir

Vorstellungen: Di, 01.10. – 18:45 Passage | Gast: Hlynur Pálmason (Regisseur)

county

THE COUNTY

ISL, DK, F, D 2019 | 92 min | OF mit deutschen UT

Eine Frau sieht rot in diesem bild- und emotionsstarken Drama aus Island und lehnt sich gegen eine korrupte landwirtschaftliche Kooperative in ihrem Bezirk auf.
Inga betreibt eine tief verschuldete Milchfarm. Nach dem Tod ihres Mannes setzt sie alles auf eine Karte und legt sich mit einem Schwergewicht der Gegend an, das sie für die Hauptursache ihrer Misere hält: die Kooperative, die ihre Monopolstellung gnadenlos ausnutzt und die Bauern mit mafiösen Methoden unter Druck setzt. Für Inga beginnt ein Kampf zwischen David und Goliath. Gegen den heftigen Widerstand der mächtigen Genossenschaftsbosse versucht sie, eine Gegengenossenschaft zu gründen, auch auf die Gefahr hin, ihre eigene Existenz zu verlieren.

GRÍMUR HÁKONARSON (*1977) ist ein isländischer Regisseur und Drehbuchautor. Sein Film Sture Böcke (2015) lief in Cannes in der Reihe Un Certain Regard und wurde mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Regie und Drehbuch Grímur Hákonarson

Besetzung Arndís Hrönn Egilsdóttir, Hinrik Ólafsson, Sigurður Sigurjónsson, Hannes Óli Ágústsson
Produktion Netop Films; One Two Films

Vorstellungen: Mi, 02.10. – 19:15 CinemaxX | Fr, 04.10. – 16:30 Metropolis | Gast: Grímur Hákonarson (Regisseur)

echo

ECHO

ISL, F, CH 2019 | 79 min | OF mit englischen UT

Ebenso unerschrocken wie zärtlich lauscht Regisseur Rúnar Rúnarsson in losen Episoden dem Echo der isländischen Gesellschaft.
In Island steht Weihnachten vor der Tür. Überall herrscht eine besondere Atmosphäre, in der sich die emotionale Lage des Landes spiegelt. Ein verlassener Bauernhof brennt, in einer Schule singt ein Kinderchor Weihnachtslieder, eine Mutter streitet sich in einem Museum mit ihrem Ex-Mann am Telefon und ein junges Mädchen lässt ihre Großmutter ihr neues Virtual-Reality-Headset ausprobieren. In ruhigen Bildern überlagern sich Banalität und Erhabenes, Schönheit und Trauer, Leben und Tod zu einem bittersüßen Spiegel der isländischen Realität.

RÚNAR RÚNARSSON (*1977) begann 1995 als Regisseur und Drehbuchautor zu arbeiten und wurde 2006 für seinen Kurzfilm Die letzte Farm für den Oscar nominiert. Nach Volcano (2011) und Sparrows (2015) ist Echo sein dritter Langfilm.

Regie und Drehbuch Rúnar Rúnarsson
Besetzung Sigurmar Albertsson, Bent Kingo Andersen, Sif Arnarsdóttir, Ari Arnarson, Finnur Arnar Arnarson

Vorstellungen: So, 29.09. – 14:00 CinemaxX | Fr, 04.10. – 21:30

Weitere Informationen, Spieltage, -zeiten und Kinos entnehmen Sie bitte der Homepage www.filmfesthamburg.de.